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Cannabis-Glossar: Medizinisches Cannabis von A–Z
90 verständlich erklärte Fachbegriffe zu Wirkstoffen, Darreichungsformen, Recht, Anwendung und Qualität medizinischen Cannabis – kuratiert von der Dr.THC Redaktion.
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2-AG (2-Arachidonoylglycerin)
2-AG ist das mengenmäßig häufigste Endocannabinoid im Gehirn und reguliert über CB1-Rezeptoren die synaptische Übertragung (Rückwärtssignalisierung).
β-Caryophyllen
β-Caryophyllen ist ein Sesquiterpen mit würzig-pfeffrigem Aroma. Es ist das einzige bekannte Terpen, das selektiv an den CB2-Rezeptor bindet und so antientzündlich wirkt.
A
Anandamid (AEA)
Anandamid ist ein körpereigenes Endocannabinoid, das an CB1- und CB2-Rezeptoren bindet und Stimmung, Schmerz, Appetit und Schlaf reguliert. Der Name leitet sich vom Sanskrit-Wort 'ananda' (Glückseligkeit) ab.
Arbeitsrecht & Cannabis
Medizinische Cannabis-Patienten dürfen am Arbeitsplatz keinen pauschalen Nachteilen ausgesetzt werden. Sicherheitsrelevante Tätigkeiten (Fahrzeugführer, Maschinenbedienung) können trotzdem Einschränkungen unterliegen.
B
Bestrahlung (Gamma/E-Beam)
Bestrahlung mit Gamma- oder Elektronenstrahlung tötet Mikroorganismen auf Cannabisblüten ab und gewährleistet die mikrobielle Qualität nach Ph. Eur. Die Cannabinoid- und Terpenprofile werden minimal beeinflusst.
Bioverfügbarkeit
Die Bioverfügbarkeit gibt den Anteil eines Wirkstoffs an, der unverändert in den systemischen Kreislauf gelangt. Bei Cannabinoiden hängt sie stark von der Applikationsform ab.
BtMG (Betäubungsmittelgesetz)
Das Betäubungsmittelgesetz regelt den Verkehr mit Betäubungsmitteln in Deutschland. Seit 2024 fällt medizinisches Cannabis nicht mehr darunter, sondern unter das MedCanG.
BtMVV
Die Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung regelt die formalen Anforderungen an die Verschreibung von Betäubungsmitteln. Für Medizinalcannabis und Dronabinol gilt sie seit dem MedCanG (April 2024) nicht mehr.
C
CanG (Cannabisgesetz / KCanG)
Das Konsumcannabisgesetz (KCanG) regelt seit dem 1. April 2024 den Eigenanbau, den Besitz und Konsum von Cannabis durch Erwachsene zu nicht-medizinischen Zwecken. Es ist vom MedCanG strikt zu trennen.
Cannabinoid-Isolat
Ein Isolat ist ein hochreiner Einzelwirkstoff (>98 %), meist CBD oder THC, ohne weitere Cannabinoide oder Terpene. Es ermöglicht exakte mg-Dosierung, verzichtet aber auf den Entourage-Effekt.
Cannabinoid-Profil
Das Cannabinoid-Profil gibt die quantitativen Anteile aller relevanten Cannabinoide (THC, CBD, CBG, CBN etc.) in einem Produkt an. Es ist Teil jeder Pharmakopoe-Spezifikation.
Cannabis Indica
Cannabis Indica ist eine Unterart mit kompaktem Wuchs, breiten Blättern und meist sedierendem, körperbetontem Wirkprofil. Häufig dominiert von Myrcen und Linalool.
Cannabis Ruderalis
Cannabis Ruderalis ist eine wildwachsende, kleinwüchsige Unterart aus Zentralasien. Ihre Auto-Flowering-Eigenschaft (lichtunabhängige Blüte) wird in der Zucht moderner Autoflower-Sorten genutzt.
Cannabis Sativa
Cannabis Sativa ist eine der traditionellen Cannabis-Unterarten mit hochwüchsigen Pflanzen, schmalen Blättern und einem oft anregenden, fokussierten Wirkprofil. Häufig dominiert von Limonen und Pinen.
Cannabis-Distillat
Ein Distillat ist ein hochkonzentrierter Cannabis-Extrakt mit typisch 80–95 % Cannabinoid-Gehalt. Terpene werden meist entfernt und gegebenenfalls reformuliert.
Cannabis-Kapsel
Cannabis-Kapseln enthalten standardisierte Dosen THC, CBD oder Vollspektrum-Extrakt in Hart- oder Weichkapseln. Sie eignen sich für reproduzierbare orale Dosierung.
Cannabis-Tinktur
Eine Tinktur ist ein alkoholisch-wässriger Cannabis-Extrakt, der oral oder sublingual eingenommen wird. In Deutschland ist die Cannabis-Tinktur DAB als Rezepturware verfügbar.
Cannabis-Vollextrakt
Ein Vollextrakt enthält das gesamte Cannabinoid- und Terpenspektrum der Pflanze und wird meist als ölige Lösung in MCT- oder Sesamöl angeboten. Standardisierung erfolgt auf THC- und/oder CBD-Gehalt.
Cannabisagentur (BfArM)
Die Cannabisagentur ist eine Abteilung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Sie überwacht den medizinischen Cannabisanbau in Deutschland und regelt Import sowie Distribution.
Cannabisblüten (Flos)
Medizinische Cannabisblüten sind getrocknete weibliche Blütenstände der Hanfpflanze in pharmazeutischer Qualität (EU-GMP), zur Inhalation per Vaporisator oder Zubereitung als Tee verordnet.
CB1-Rezeptor
Der CB1-Rezeptor ist ein G-Protein-gekoppelter Rezeptor und der häufigste Cannabinoid-Rezeptor im zentralen Nervensystem. Seine Aktivierung durch THC vermittelt die psychotropen, analgetischen und appetitsteigernden Effekte.
CB2-Rezeptor
Der CB2-Rezeptor ist überwiegend auf Immunzellen, im Darm und in Knochenstrukturen exprimiert. Seine Aktivierung wirkt antientzündlich und immunmodulatorisch, ohne psychotrope Effekte.
CBC (Cannabichromen)
CBC (Cannabichromen) ist ein nicht-psychoaktives Cannabinoid mit entzündungshemmenden und potenziell antidepressiven Eigenschaften. Es wirkt vorwiegend über TRPV1- und TRPA1-Ionenkanäle.
CBD (Cannabidiol)
CBD (Cannabidiol) ist das zweithäufigste Cannabinoid der Hanfpflanze. Es wirkt nicht psychotrop, hat aber entzündungshemmende, anxiolytische und antikonvulsive Eigenschaften und wird häufig in Kombination mit THC verschrieben.
CBDA (Cannabidiolsäure)
CBDA ist die saure Vorstufe von CBD in der lebenden Pflanze. Sie zeigt in präklinischen Studien antiemetische und entzündungshemmende Effekte über den 5-HT1A-Serotoninrezeptor.
CBDV (Cannabidivarin)
CBDV (Cannabidivarin) ist ein nicht-psychoaktives Analog von CBD, das vor allem wegen seines antikonvulsiven Potenzials bei Epilepsie und Autismus-Spektrum-Störungen erforscht wird.
CBG (Cannabigerol)
CBG (Cannabigerol) gilt als 'Mutter-Cannabinoid', weil aus seiner Säureform CBGA in der Pflanze THCA und CBDA entstehen. Es ist nicht psychoaktiv und wird auf entzündungshemmende und neuroprotektive Wirkungen untersucht.
CBN (Cannabinol)
CBN (Cannabinol) entsteht durch Oxidation von THC. Es ist nur schwach psychoaktiv und wird vor allem für seine sedierende Wirkung bei Schlafstörungen diskutiert.
Chargenanalyse
Eine Chargenanalyse dokumentiert die analytische Prüfung einer spezifischen Produktcharge auf Cannabinoid-Gehalt, Terpene, Pestizide, Schwermetalle und mikrobielle Belastung.
D
Decarboxylierung
Bei der Decarboxylierung wird die saure Cannabinoidvorstufe (THCA, CBDA) durch Erhitzen in das aktive Cannabinoid (THC, CBD) umgewandelt. Sie passiert beim Vaporisieren, Backen oder kontrollierten Erhitzen.
Delta-8-THC (Δ8-THC)
Delta-8-THC ist ein Isomer des klassischen Delta-9-THC mit etwa zwei Dritteln der psychoaktiven Potenz. In Deutschland fällt es als THC-Isomer unter das BtMG bzw. MedCanG.
Delta-9-THC (Δ9-THC)
Delta-9-THC ist die Standard-Form von THC, die in medizinischen Cannabisblüten und -extrakten in Deutschland gemeint ist, wenn von 'THC' gesprochen wird.
Dosierung
Die individuelle Cannabis-Dosierung variiert stark zwischen Patient:innen. Sie wird durch schrittweise Titration ermittelt – 'start low, go slow' ist die Goldregel.
Dronabinol
Dronabinol ist der internationale Freiname für teilsynthetisch hergestelltes Delta-9-THC und in Deutschland als Rezepturarzneimittel (Öl, Kapseln, Inhalat) verfügbar.
Dronabinol-Tropfen
Dronabinol-Tropfen sind eine ölige Rezepturlösung mit standardisiertem Δ9-THC, hergestellt in der Apotheke nach NRF 22.7. Typisch ist eine Konzentration von 25 mg/ml (2,5 %).
E
Edible (orales Cannabispräparat)
Edibles sind orale Cannabispräparate wie Pastillen, Gummies oder Hartkapseln mit standardisierter THC- bzw. CBD-Dosis. In Deutschland sind sie als Rezeptur- oder Fertigarzneimittel erhältlich.
Endocannabinoid-System (ECS)
Das Endocannabinoid-System ist ein körpereigenes Regelsystem aus Cannabinoid-Rezeptoren (CB1, CB2), Endocannabinoiden (Anandamid, 2-AG) und ihren Synthese- und Abbauenzymen. Es reguliert Schmerz, Stimmung, Appetit, Schlaf und Immunfunktion.
Entourage-Effekt
Der Entourage-Effekt beschreibt das Phänomen, dass das Zusammenspiel mehrerer Cannabinoide und Terpene eine stärkere oder ausgewogenere Wirkung erzielt als ein isolierter Einzelwirkstoff.
Epidyolex® (Cannabidiol)
Epidyolex® ist ein hochreines CBD-Präparat (100 mg/ml orale Lösung), das in der EU für das Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom und Tuberöse Sklerose Komplex zugelassen ist.
EU-GMP
EU-GMP (Good Manufacturing Practice) ist der europäische Standard für die Herstellung von Arzneimitteln. Medizinisches Cannabis muss EU-GMP-konform produziert werden, um in Deutschland verkehrsfähig zu sein.
F
Fahrtüchtigkeit & THC-Grenzwert
Für Cannabis-Patienten gilt seit August 2024 ein Grenzwert von 3,5 ng/ml THC im Blutserum. Bei bestimmungsgemäßer Anwendung medizinischen Cannabis greift in der Regel die 'Medikamentenklausel'.
First-Pass-Effekt
Der First-Pass-Effekt bezeichnet die Verstoffwechslung eines oral aufgenommenen Wirkstoffs in Darm und Leber, bevor er in den systemischen Kreislauf gelangt. Bei oralem THC entsteht dabei der psychoaktive Metabolit 11-OH-THC.
G
GACP
GACP regelt die Qualität beim Anbau und der Ernte medizinischer Pflanzen einschließlich Cannabis. Sie ergänzt EU-GMP und ist Voraussetzung für die Weiterverarbeitung zu Arzneimitteln.
Genotyp
Der Genotyp ist die genetische Ausstattung einer Pflanze. Er bestimmt das Potenzial für Cannabinoid- und Terpenprofile, die finale Ausprägung hängt jedoch von Umweltfaktoren ab.
H
Halbwertszeit
Die Halbwertszeit gibt die Zeit an, in der die Plasmakonzentration eines Wirkstoffs auf die Hälfte abfällt. Für THC liegt sie bei 25–36 Stunden, für CBD bei 18–32 Stunden.
HHC (Hexahydrocannabinol)
HHC ist ein hydriertes Cannabinoid, das vor allem als Graumarkt-Produkt aufgetaucht ist. Es ist in Deutschland seit Juni 2024 dem KCanG/BtMG unterstellt und nicht als Arzneimittel zugelassen.
Hybrid
Hybride sind Kreuzungen aus Cannabis Sativa und Cannabis Indica. Die meisten heute verfügbaren medizinischen Sorten sind Hybride, oft als 'Sativa-dominant' oder 'Indica-dominant' klassifiziert.
I
Importgenehmigung
Importgenehmigungen für medizinisches Cannabis werden vom BfArM (Cannabisagentur) erteilt. Sie sind Voraussetzung für die Einfuhr aus Kanada, den Niederlanden, Portugal, Israel oder Australien.
Indikation
Eine Indikation ist der medizinische Grund für die Anwendung einer Therapie. Häufige Indikationen für medizinisches Cannabis sind chronische Schmerzen, Spastik, Übelkeit, Appetitlosigkeit und ADHS.
Inhalation
Inhalation ist die Aufnahme von Cannabinoiden über die Lunge. Sie bietet den schnellsten Wirkungseintritt (1–10 min) und gut steuerbare Titration.
K
Kontraindikation
Eine Kontraindikation ist ein Grund, der gegen die Anwendung einer Therapie spricht. Absolute Kontraindikationen für Cannabis sind Psychosen und schwere kardiovaskuläre Erkrankungen.
Kostenübernahme GKV
Die gesetzliche Krankenversicherung kann die Kosten für medizinisches Cannabis übernehmen, wenn vorher ein Antrag genehmigt wurde. Ablehnungen sind nach wie vor häufig, aber die Quote ist seit 2024 gestiegen.
L
Laboranalyse / CoA
Ein Certificate of Analysis (CoA) ist das schriftliche Laborprotokoll einer Cannabis-Charge mit Angaben zu Cannabinoiden, Terpenen, Pestiziden und mikrobiologischer Reinheit.
Limonen
Limonen ist ein zitrusartig duftendes Terpen, das stimmungsaufhellend, anxiolytisch und konzentrationsfördernd wirken kann. Es ist häufig in Sativa-Sorten dominierend.
Linalool
Linalool ist ein blumig-süß duftendes Terpen, das auch in Lavendel vorkommt. Es wirkt anxiolytisch, sedierend und antikonvulsiv.
Live Resin
Live Resin ist ein Cannabis-Extrakt aus frisch geernteten, sofort tiefgefrorenen Blüten. Dadurch bleibt das vollständige Terpenprofil erhalten – im medizinischen Bereich in Deutschland nicht verfügbar.
M
MedCanG (Medizinal-Cannabisgesetz)
Das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) regelt seit dem 1. April 2024 in Deutschland die medizinische Verschreibung, Herstellung, den Import und die Abgabe von Cannabis zu medizinischen Zwecken.
Mikrodosierung
Mikrodosierung bezeichnet die Anwendung sehr niedriger Cannabis-Dosen (oft 1–2,5 mg THC), die unterhalb der psychoaktiven Schwelle liegen und vorwiegend therapeutische Effekte nutzen sollen.
Myrcen
Myrcen ist ein monoterpenes Terpen, das in vielen Indica-dominierten Cannabissorten dominiert. Es gilt als sedierend und muskelrelaxierend und prägt das typische erdig-würzige Aroma.
N
Nabilon
Nabilon ist ein vollsynthetisches THC-Analogon, das in Deutschland als Fertigarzneimittel (Canemes®) bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit zugelassen ist.
Nabiximols (Sativex®)
Nabiximols ist ein standardisierter Cannabis-Vollspektrum-Mundspray mit jeweils 2,7 mg THC und 2,5 mg CBD pro Sprühstoß. In Deutschland als Sativex® zur Behandlung der MS-Spastik zugelassen.
O
Off-Label-Use
Off-Label-Use bezeichnet die ärztliche Verordnung eines Arzneimittels außerhalb der zugelassenen Indikation. In Deutschland ist Cannabis als Medizin seit 2017 weitgehend ohne Indikationsbeschränkung verschreibbar.
Orale Einnahme
Bei oraler Einnahme (Kapseln, Edibles, Tropfen) werden Cannabinoide über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen und durchlaufen den First-Pass-Effekt der Leber. Wirkungseintritt 60–120 min, Wirkdauer 6–10 h.
P
Pestizidanalytik
Pestizidanalytik ist die Laborprüfung medizinischer Cannabisprodukte auf Pestizidrückstände. Sie ist im Rahmen der EU-GMP-Freigabe verpflichtend.
Phänotyp
Der Phänotyp ist die beobachtbare Ausprägung der Pflanze (Wuchs, Blattform, Farbe, Aroma) – das Ergebnis von Genotyp und Umweltbedingungen.
Pinen (α-Pinen, β-Pinen)
Pinen ist das häufigste Terpen in der Natur (Kiefernnadeln). In Cannabis wirkt es bronchienerweiternd, konzentrationsfördernd und kann Gedächtnisstörungen durch THC abmildern.
Privatrezept
Ein Privatrezept wird vom Patienten selbst bezahlt und nicht von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet. Bei medizinischem Cannabis ist es der häufigste Weg zur Versorgung.
Psychotrope Wirkung
Psychotrope Wirkung bezeichnet den Einfluss eines Stoffes auf Psyche und Bewusstseinszustand. Bei THC zeigt sie sich als Euphorie, veränderte Sinneswahrnehmung, Entspannung – aber auch als Angst oder Paranoia.
R
Rezeptpflicht
Medizinisches Cannabis ist in Deutschland rezeptpflichtig. Die Verschreibung kann seit dem MedCanG auf normalem Kassen-, Privat- oder elektronischem Rezept erfolgen – ein BtM-Rezept ist nicht mehr nötig.
Rosin
Rosin ist ein lösungsmittelfreier Cannabis-Extrakt, der durch Pressen unter Hitze und Druck gewonnen wird. Im medizinischen Kontext spielt Rosin in Deutschland (noch) keine Rolle.
S
Sativex®
Sativex® ist der Handelsname von Nabiximols, einem standardisierten THC/CBD-Mundspray zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Spastik bei multipler Sklerose.
Set & Setting
Set (innere Verfassung) und Setting (äußere Umgebung) beeinflussen die Wirkung psychoaktiver Substanzen erheblich. Bei medizinischem Cannabis können sie unerwünschte Effekte wie Angst oder Paranoia mitsteuern.
Sinsemilla
Sinsemilla bezeichnet unbefruchtete weibliche Cannabispflanzen, die deutlich höhere Cannabinoid-Konzentrationen aufweisen als befruchtete. Medizinisches Cannabis wird ausschließlich als Sinsemilla angebaut.
Sublinguale Einnahme
Bei sublingualer Anwendung wird das Präparat unter die Zunge gegeben und über die Mundschleimhaut resorbiert. Sie umgeht den First-Pass-Effekt und wirkt schneller als rein orale Einnahme.
Sublingualspray
Sublingualsprays werden unter die Zunge gesprüht und über die Mundschleimhaut resorbiert. Bekanntester Vertreter ist Nabiximols (Sativex®) mit definierter THC/CBD-Dosis pro Sprühstoß.
T
Telemedizin-Rezept
Ein Telemedizin-Rezept wird nach einer ärztlichen Online-Sprechstunde ausgestellt. Für medizinisches Cannabis ist dies seit dem MedCanG (2024) ohne Erstpräsenzpflicht erlaubt.
Terpenprofil
Das Terpenprofil ist die quantitative Zusammensetzung der Terpene in einer Cannabissorte. Es prägt Aroma und (vermutet) modifiziert die therapeutische Wirkung im Sinne des Entourage-Effekts.
Terpinolen
Terpinolen ist ein komplex-frisches Terpen mit Noten von Holz, Zitrus und Blüten. Es wirkt mild sedierend, antioxidativ und kommt vor allem in Sativa-Sorten der Haze-Familie vor.
THC (Tetrahydrocannabinol)
THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) ist das wichtigste psychoaktive Cannabinoid der Cannabispflanze und der pharmakologisch wirksame Bestandteil der meisten medizinischen Cannabisblüten und -extrakte in Deutschland.
THCA (Tetrahydrocannabinolsäure)
THCA ist die saure Vorstufe von THC, die in der lebenden Pflanze und in nicht erhitzten Cannabisblüten vorliegt. Sie ist nicht psychoaktiv und wird erst durch Decarboxylierung in THC umgewandelt.
THCV (Tetrahydrocannabivarin)
THCV (Tetrahydrocannabivarin) ist ein Cannabinoid mit appetitzügelnder Wirkung. In niedrigen Dosen wirkt es als CB1-Antagonist, in höheren Dosen ähnlich wie THC.
Therapeutische Breite
Die therapeutische Breite ist der Abstand zwischen wirksamer und toxischer Dosis. Cannabis hat eine sehr hohe therapeutische Breite – eine letale Dosis ist beim Menschen nicht bekannt.
Titration (Dosisfindung)
Titration ist die schrittweise Anpassung der Dosis bis zur individuell wirksamen und gut verträglichen Tagesdosis. Bei Cannabis-Therapie gilt das Prinzip 'start low, go slow'.
Toleranzentwicklung
Mit kontinuierlicher Anwendung von THC reduziert sich die Empfindlichkeit der CB1-Rezeptoren, sodass für gleiche Wirkung höhere Dosen nötig werden. Eine 48–72-stündige Pause kann die Empfindlichkeit teils zurücksetzen.
Trichome
Trichome sind die harzigen Drüsenhaare auf Cannabisblüten und -blättern. In ihnen werden Cannabinoide und Terpene produziert und gespeichert.
V
Vape-Kartusche (medizinisch)
Eine medizinische Vape-Kartusche enthält einen vorgefüllten, standardisierten Cannabis-Extrakt zum Inhalieren mit einem dedizierten Akkugerät. In Deutschland nur in Pilotmärkten verfügbar.
Vaporisation
Bei der Vaporisation werden Cannabinoide und Terpene aus Blüten oder Extrakten verdampft, ohne dass das Material verbrannt wird. Die ärztlich empfohlene Anwendungsform für medizinische Inhalation.
Verdampfungstemperatur
Die Verdampfungstemperatur beeinflusst, welche Cannabinoide und Terpene aus dem Material freigesetzt werden. Niedrige Temperaturen schonen Terpene, höhere lösen mehr Cannabinoide.
W
Wechselwirkung
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln können die Wirkung von Cannabis verstärken, abschwächen oder Nebenwirkungen verschärfen. Klinisch relevant sind v.a. Interaktionen über das Cytochrom-P450-System.
Wirkungseintritt
Der Wirkungseintritt von Cannabis hängt von der Applikationsform ab: inhalativ 1–10 min, sublingual 15–30 min, oral 60–120 min. Dies beeinflusst Wahl und Titration des Präparats.